Dein Beckenboden zum Finden und Fühlen

„Da unten“ war gestern – so findest und fühlst du deinen Beckenboden

Wenn wir Bauchmuskeln trainieren oder komplizierte Yoga-Posen üben, stehen wir meistens vor einem Spiegel oder bekommen ein Feedback von der Yogalehrerin oder Physiotherapeutin. Sie sagt uns dann, ob wir die Ausführungen korrekt und effektiv durchführen. Zusätzlich dazu sehen wir das Ergebnis und können es begutachten.

Nach dem einen oder anderen Bauchmuskeltraining kann schon mal ein kleiner Six-Pack hervorblitzen und stolz betastet werden. Doch was ist da mit den Beckenbodenmuskeln?

Können wir auch den Beckenboden ganz einfach finden?

Gerade, wenn wir uns das erste Mal mit ihm beschäftigen, fällt es uns extrem schwer zu spüren und zu verstehen, wo er sich genau befindet, und wie er sich aktivieren lässt. Wer sagt denn, dass wir unseren Beckenboden nicht auch betrachten und befühlen können?

Von klein auf haben Jungs mehrmals täglich ihren Penis in der Hand, um Wasser zu lassen.

Bei uns Frauen sieht es da leider ganz anders aus. Die einzige, die unseren Beckenboden und unsere Vagina schon mehrmals ausgiebig betrachtet hat, ist unsere Gynäkologin. Oft fehlen uns der Bezug und sogar die beschreibenden Worte zu unserem „da unten“.

Eine Entdeckungsreise zum Beckenboden

Um eine klare Vorstellung von deinem Beckenboden zu bekommen und das „da unten“ mit neuen Bildern und Gespürtem zu behaften, lade ich dich ein auf eine kleine Entdeckungsreise. Lass uns gemeinsam deinen Beckenboden finden.

Was du dafür brauchst?

  • Zeit
  • einen kleinen Handspiegel (vielleicht sogar einen, den man hinstellen kann)
  • etwas Öl/Gleitgel
  • Neugierde und ein bisschen Mut.

Damit du entspannt deinen Beckenboden erkunden kannst, sind folgende vorbereitenden Punkte sinnvoll:

  1. Sorge am besten dafür, dass du in der nächsten Stunde nicht gestört wirst (wenn nötig, einfach die Tür abschließen)
  2. Mach es dir bei angenehmer Raumtemperatur auf deiner Couch oder deinem Bett gemütlich und lege dich bequem auf den Rücken (Hose und Unterhose legst du am besten vorher ab)
  3. Winkle deine Beine an und stelle die Füße gemütlich ab (ähnlich wie bei deiner Gynäkologin, nur ohne den doofen Untersuchungsstuhl)
  4. Nimm 1-2 gemütliche Kissen und schiebe sie dir unter dein Becken (lege dir auch ein großes Kissen unter deinen Kopf, um Nackenverspannungen zu vermeiden)

Okay, bist du bereit? Jetzt kann es losgehen …

So findest du deinen Beckenboden

Schnapp dir deinen Handspiegel oder stelle ihn dir zwischen die Beine, sodass du einen guten Blick auf deine Vagina und die umliegenden Bereiche hast.

Wenn du jetzt in den Spiegel schaust, siehst du deine äußeren Schamlippen links und rechts, darunter sind die inneren Schamlippen (manchmal sind die inneren Schamlippen auch größer als die äußeren, das ist ganz normal). Ganz vorne, wo die Schamlippen aufeinander zulaufen, siehst du unter einer kleinen „Kapuze“ versteckt: den von außen sichtbaren Teil deiner Klitoris, auch Klitorisperle genannt. Vielleicht siehst du auch die ganz kleine Öffnung der Harnröhre (unterhalb der Klitorisperle und über dem Eingang der Vagina).

Zwischen Vagina und After befindet sich der Damm (wenn du schon Kinder auf die Welt gebracht hast, siehst du hier möglicherweise auch Narben von einem verheilten Dammriss). Der Damm stellt den Punkt dar, in dem sich alle Beckenbodenmuskeln der verschiedenen Schichten treffen, wie eine wichtige Kreuzung. Betrachtest du deinen Damm, betrachtest du also einen Teil deiner Beckenbodenmuskulatur.

Ganz wichtig: Jeder Beckenboden ist anders!

Versuche jetzt mal zu husten, den Beckenboden sanft anzuspannen oder zu pressen. Was passiert im Spiegel? Bewegt sich dein Damm? Wenn du den Beckenboden korrekt anspannst, sollte sich der Damm sanft nach innen oben ziehen (das Gegenteil passiert, wenn du presst).

Der Beckenboden trägt sehr viel von uns und verdient unsere liebevolle Aufmerksamkeit und Pflege.

Versuche die Anspannung ruhig ein paar Mal und sei geduldig, wenn es nicht sofort klappt. Solltest du dir dann immer noch unsicher sein, kontaktiere uns gerne oder teste doch mal die pelvina App. Probiere dann, ein bisschen mit deinem Beckenboden zu spielen: Einmal weiter vorne anspannen, ein anderes Mal weiter hinten, versuche auch den Eingang der Vagina etwas zu verkleinern oder mit dem Beckenboden zu „blinzeln“.

Spüre jetzt deinen Beckenboden mit den Händen

Lege einen oder zwei Finger auf deinen Damm und versuche nochmal, deinen Damm sanft etwas anzuheben. Was passiert mit deinem Finger? Bewegt sich etwas?

Versuche jetzt, den Damm mit Daumen und Zeigefinger zu greifen (dafür ist es geschickt, den Daumen etwas in die Vagina gleiten zu lassen) und sanft hin- und herzubewegen. Auch hier kannst du nochmal ein wenig an- und entspannen. Was fühlst du?

Nun kannst du den Zeige- oder Mittelfinger tiefer in die Vagina einführen (nimm dafür etwas Gleitgel oder Öl auf deine Finger, wenn du magst). Wenn du deine Fingerbeere nach oben drehst, spürst du vielleicht eine raue und knubbelige Struktur.

Das ist das Drüsengewebe des sagenumwobenen G-Punkts.

So fühlt sich der G-Punkt an

Wenn du mit deinem Finger noch weiter nach innen vordringst, kannst du den Muttermund spüren (für manche Frauen kann sich das unangenehm anfühlen).

Versuche auch hier nochmal, den Beckenboden anzuspannen und den Finger (oder mehrere Finger) zu umschließen. Kannst du etwas spüren? Werden die Finger vielleicht etwas nach innen „gesogen“?

Lege zum Abschluss gerne noch einmal die flächige Hand auf deinen Beckenboden und nimm ein paar ruhige Atemzüge.

Wenn du Lust hast, deine Vagina und deinen Beckenboden noch genauer zu erkunden, kannst du dir ein Hartplastik Spekulum kaufen. Hier findest du dann eine genaue Anleitung, was du damit alles anstellen und sehen kannst.

Neues zu entdecken, erfordert manchmal ein bisschen Mut,
gerade wenn es sich um vermeintliche Tabuzonen handelt.

Herzlichen Glückwunsch!
Deine Entdeckungsreise ist hiermit beendet. Du, dein Beckenboden und auch deine Vagina haben sich ein ganzes Stück besser kennengelernt. Sei stolz auf dich, dass du dich getraut hast, deinen Beckenboden zu begreifen und zu bestaunen.

 

Quelle:

Liesner, F. (2012): Mein Beckenbodenbuch. Mehr Kraft, erfüllte Sexualität, beweglicher Rücken. 2. Aufl. Stuttgart: TRIAS Verlag.

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