Dein Beckenboden zum Finden und Fühlen

Blasenschwäche: Interview mit Hebamme Kerstin Lüking

Hebamme, 7-fache Mutter, Buchautorin und Crew-Mitglied bei MutterKutter: Kerstin Lüking spricht mit uns im Rahmen unserer Kampagne #breakthebubble über das Thema Blasenschwäche.

Darüber sprechen wir:

  • Blasenschwäche in der Hebammen-Ausbildung
  • Kerstins persönliche Erfahrung mit dem Beckenboden
  • Blasenschwäche bei frisch-gebackenen Mamas
  • Freundinnen und Bekannte suchen Rat
  • Einsatz für die Enttabuisierung von Blasenschwäche
  • Beckenbodentraining im Alltag als 7-fache Mama
  • Liebe Kerstin, stell dich unseren Lesern doch einmal kurz vor. 🙂

    Ich bin Kerstin Lüking, seit 21 Jahren Hebamme mit Leidenschaft und 7-fache Mutter. Mit meiner Familie lebe ich jetzt wieder in Berlin, nachdem ich mehrere Zwischenstopps in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg hatte. Ich bin Buchautorin und festes Redaktionsmitglied vom Blog „MutterKutter“. Mit einer eigenen Content- und Marketing Agentur berate ich seit 4 Jahren Industrieunternehmen in der Sparte Mutter und Kind.

    Zum „MutterKutter“ bin ich Ende 2016 gekommen. Dorothee Dahinden, die Gründerin vom Blog und erfolgreiche TV- Journalistin, hat mich angerufen und es war quasi „Liebe beim ersten Gespräch“. Heute sind wir sehr gut befreundet und stemmen viel Projekte gemeinsam. Ich sage immer, dass sich der „MutterKutter“ so langsam zu einem Dampfer entwickelt, da wir stetig wachsen und als ernstzunehmender Content-Partner viel Mehrwert sowohl für Firmen, als auch für unsere Leser*innen mitbringen.

    Seitdem predige ich das in jedem Wochenbett, dass „Frau“ sich um ihren Körper kümmern muss.

    War das Thema Blasenschwäche in deiner Ausbildung als Hebamme relevant?

    Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das innerhalb meiner Ausbildung überhaupt ein Thema war. Irgendwann kam der Punkt, wo ich mit älteren Damen jenseits des 60. Lebensjahres im Rahmen von Kursen Kontakt hatte. Da wurde mir als damals noch „junge“ Hebamme überhaupt erst bewusst, was da noch für ein großes Thema auf uns Frauen zukommt. Seitdem predige ich das in jedem Wochenbett, dass „Frau“ sich um ihren Körper kümmern muss.

    Natürlich haben viele andere Dinge immer Priorität: die Kinder, der Mann, der Haushalt, dann ist der Hund krank usw. Immer gibt es etwas, was man schön vorschieben kann, um sich möglichst vor der Gymnastik und sich selbst zu drücken. Wir müssen mal alle raus aus unserer „Komfort-Zone“, um dann wahrscheinlich festzustellen, dass das so schlimm alles gar nicht ist! Wir werden alle feststellen, dass es gut investierte Zeit ist und wir am Ende des Tages einfach weniger körperliche Probleme haben werden.

    Du bist selbst Mutter. Wie war das persönlich bei dir?

    Ich musste mich zwangsweise mit meinem Körper auseinandersetzen. Ich habe sieben Kinder spontan geboren, sechs davon haben 5 kg und ein Kind 4 kg gewogen. Dazu hatte ich bei vier Geburten sehr unschöne Verletzungen. Im Grunde das „volle Ballett“ an Damm-Schnitten und Rissen. Da ich relativ schnell immer wieder gearbeitet habe, habe ich bei meinen Rückbildungskursen mit meinen Wöchnerinnen immer fleißig mitgemacht. Wenn man 3 x in der Woche für 90 Minuten trainiert, ist man nach 3-4 Monaten einfach wieder relativ fit. Das hat mich dann immer dazu motiviert, alles ganz artig durchzuziehen.

    Wütend werde ich, wenn Partner ihre Frauen schwere Dinge tragen lassen.

    Ist Blasenschwäche bei deinen Patientinnen auch ein Thema? Welche Tipps gibst du Ihnen? Sprichst du sie offen darauf an oder kommen die frisch-gebackenen Mamas selbst auf dich zu?

    Wir kommen zwangsweise immer zum Punkt Beckenboden. Ich spreche das schon im Geburtsvorbereitungskurs an und sage den Männern, dass sie bitte ihre Frauen dabei unterstützen sollen, doch regelmäßig einen Kurs zu besuchen. Persönlich finde ich die Teilnahme an einem Kurs ohne Kind sinnvoller. Man braucht einfach mal eine kurze Pause vom Mama-Alltag, um sich um sich selbst zu kümmern.

    Wütend werde ich, wenn Partner ihre Frauen schwere Dinge tragen lassen. Ob das nun Wäschekörbe, Baby-Autositze oder schwere Einkaufstaschen sind. Wenn ich das sehe, halte ich gerne mal einen Dauermonolog zum Thema Beckenbodenschwäche. Danach haben es meistens alle Beteiligten verstanden und achten darauf. Ich glaube, dass wir als Hebammen schon einen guten Einfluss darauf haben können, dass die Frauen-Gesundheit erhalten bleibt. Das finde ich das Schöne an unserem Beruf, dass unser Rat gefragt ist und wir wirklich etwas bewirken können.

    Wirst du auch privat von deinen Freundinnen/Bekannten auf das Thema Blasenschwäche angesprochen?

    Na klar, das wird so langsam zum Dauer-Thema! Und immer mehr Freundinnen kommen so langsam damit um die „Ecke“. Plötzlich trauen sich ganz viele, darüber zu reden. Für mich ist das ein Zeichen, dass der innere Leidensdruck extrem groß ist und keine Frau diesen mehr hinnehmen möchte. Die Lebensqualität ist zum Teil stark eingeschränkt und die Frauen leiden stark darunter. Positiv finde ich, dass es mittlerweile sehr viele Angebote u.a. durch Beckenboden-Zentren gibt, die die Frauen sinnvoll unterstützen können. Und in diesem Zusammenhang möchte ich auch ganz aufrichtig die pelvina-App (Anm. d. Red.: unbezahlte Werbung) erwähnen, die ich wirklich klasse finde und mittlerweile jeder Frau empfehle.

    Es sprudelt dann wirklich nur so aus den Frauen heraus und alle sind dankbar, wenn man mit Tipps weiterhelfen kann.

    Wie setzt du dich für ein größeres Bewusstsein und die Enttabuisierung von Blasenschwäche ein?

    Ich bin immer dafür, Dinge offen anzusprechen. Der Bann ist oft gebrochen, wenn ich diesbezüglich in den Dialog gehe. Ich erzähle viel von mir selber und meinen eigenen Erfahrungen. Es sprudelt dann wirklich nur so aus den Frauen heraus und alle sind dankbar, wenn man mit Tipps weiterhelfen kann.

    Mit Seifenblasen gegen das Tabu Blasenschwäche

    Du hast selbst 7 Kinder – hast du da noch Zeit dich um deinen Beckenboden zu kümmern?

    Naja, ich bin ehrlich! Ich muss mir meine Zeit dafür tatsächlich in den Terminkalender eintragen. Tue ich das nicht, vergesse ich mich auch gerne mal selbst. Ich habe aber mit der Zeit gelernt, auf mich zu achten. Ich habe begriffen, dass ich diejenige bin, die den „Laden am Laufen“ hält und ich gesund bleiben muss. Verantwortlich dafür bin ich selbst und kann dieses auch an niemanden abgeben. Meine Familie kann mich aber dabei unterstützen, indem mir viele Dinge abgenommen werden, ich endlich delegiere und mir ein Netzwerk schaffe.

    Diese visuelle Gedankenstütze in meinem Kalender macht es mir leichter, an mich zu denken. Dazu versuche ich das Thema Beckenboden auch in meinen Alltag zu integrieren, beim Autofahren, Einkaufen gehen, Zähne putzen, das ist alles so „leere“ Zeit, die man mit Übungen füllen kann. Und ganz ehrlich, ich habe ein wenig die Perfektionistin in mir abgelegt! Es muss nicht mehr alles „picobello“ bei uns aussehen. Wenn ich dadurch mehr Zeit für mich habe, darf der Wäscheberg auch gerne mal bis zum nächsten Tag auf dem Bügelbrett liegen bleiben. Hauptsache, es geht mir gut und ich bin glücklich!!

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